Die Commerzbank gilt international nicht mehr als systemrelevant. Der internationale Finanzstabilitätsrat (Financial Stability Board/FSB) strich das zweitgrößte deutsche Institut am Donnerstag von der Liste der Geldhäuser, deren Zusammenbruch eine große Gefahr für die Stabilität der Weltwirtschaft bedeuten könnte. Für die seit der Finanzkrise geschrumpfte Commerzbank bedeutet der Verlust des „Too-big-to-fail“-Status zwar einen Prestigeverlust. Sie spielt damit auch offiziell nicht mehr in der Top-Liga der Branche. Zugleich ist das aber eine große Erleichterung. Denn damit dürften künftig weniger strenge Anforderung für sie gelten. Die als systemrelevant eingestuften Banken müssen voraussichtlich einen zusätzlichen Kapitalpuffer von bis zu 2,5 Prozent auf ihre Risikoposition aufbauen. Eigenes Kapital ist teuer und drückt auf die Gewinne. Einziges deutsches Institut auf der Liste der systemrelevanten Banken bleibt die Deutsche Bank. Schon mit Beginn der Diskussion über die Banken, die nicht zusammenbrechen dürfen, galt das Institut wie die amerikanischen Großbanken als gesetzt. Insgesamt stuft der FSB noch 28 (bisher waren es 29) Geldhäuser als systemrelevant ein. Nicht mehr dazu gehört die in der Abwicklung steckende belgisch-französische Bank Dexia und die britische Lloyds. Neu hinzu gekommen sind die spanische BBVA und die britische Standard Chartered. Die Commerzbank hatte erst zu Jahresbeginn in einem schmerzhaften Prozess ihr Eigenkapital auf Geheiß der europäischen Bankenaufsicht EBA kräftig steigern müssen. Als nicht mehr systemrelevante Bank dürfte nun der Druck zu weiteren Schritten geringer sein. Die Commerzbank will in der kommenden Woche ihre neue Strategie vorlegen, wie sie künftig angesichts niedriger Zinsen und eines radikal eingedampften Geschäfts Geld verdienen will. Erst im Sommer hatte das Institut angekündigt, sich komplett aus der Gewerbeimmobilien- und Schiffsfinanzierung zurückzuziehen. Auch die Staatsfinanzierung wird abgewickelt. Dagegen wird die Deutsche Bank zu den vier gefährlichsten Banken. Ihr Zusammenbruch würde das weltweite Finanzsystem am stärksten gefährden. Der deutsche Branchenprimus müsste damit von 2016 an einen zusätzlichen Eigenkapitalpuffer von 2,5 Prozent aufbauen, so dass er 2019 auf eine Mindestausstattung von 9,5 Prozent Grundkapital und Gewinnrücklagen kommen müsste. In die gleiche Kategorie wie die Deutsche Bank wurden die amerikanischen Banken Citigroup und J.P. Morgan Chase sowie die britische HSBC eingestuft - vier Institute, die Investmentbanking und Privatkundengeschäft betreiben.